Was ist eigentlich Losgelassenheit?

Warum die innere und äußere Losgelassenheit so wichtig für ein gelungenes Training ist.

Im Reitunterricht fällt öfter mal ein Begriff, der viele Anfänger mit einem großen Fragezeichen zurücklässt: Losgelassenheit. Das Pferd muss losgelassen sein. Was bedeutet das nun und warum ist es so wichtig?

Losgelassenheit ist ein körperlicher und mentaler, seelischer Zustand, der Entspannung mit einer positiven Körperspannung, Willigkeit und Konzentration bedeutet. Man kann also zwischen innerer und äußerer Losgelassenheit unterscheiden, aber beide gehören zusammen. Reine Entspannung trifft es nicht, da das Pferd in der Bewegung losgelassen sein soll und dafür benötigt es eine gewisse Grundspannung, ohne aber verspannt zu sein. Sein Gemütszustand ist gelassen und kooperativ, es hört dem Reiter zu.

Vorbereitung und Voraussetzung von Losgelassenheit beim Reiten

Damit ein Pferd losgelassen sein kann, muss die Kommunikation mit dem Menschen stimmen. Erst eine Vertrauensbasis zwischen den beiden ermöglicht Losgelassenheit. Um in diese mentale wie physische Balance zu kommen muss das Pferd auch die Erfahrung gemacht haben, dass sein Reiter seine Bedürfnisse berücksichtigt und es nicht überfordert, weder körperlich noch geistig.

Losgelassenheit beim Pferd erkennen

Ein losgelassenes Pferd ist gar nicht so schwierig zu erkennen. Das sind die Merkmale:

  • Sein Schweif pendelt locker mit
  • Das Maul ist ruhig und geschlossen
  • Die Augen sind zufrieden, die Ohren entspannt, manchmal wippen sie sogar
  • Die Bewegungen sind geschmeidig und regelmäßig im Takt
  • Der Rücken schwingt und das Hinterbein greift vor
  • Die Muskeln spannen sich wechselseitig an und ab
  • Das Pferd geht ein gutes Tempo ohne zu eilen
  • Es hat die Bereitschaft sich nach vorn zu dehnen
  • Es schnaubt ab
  • Ein Zeichen von Losgelassenheit ist auch, aus Lektionen, die Energie und Kraft erfordern, schnell wieder in die Ruhe zu finden.

Losgelassenheit ist Teil der Ausbildungsskala der FN: Sie kommt als zweiter Punkt, direkt nach dem Takt und ist damit unerlässlich für ein Pferdetraining, das gesunderhält. Losgelassenheit ist auch eines der ersten Ziele bei der Ausbildung von Jungpferden. Allgemein soll sie zu Beginn jeder Reiteinheit, der Lösungsphase, hergestellt werden.

Warum ist Losgelassenheit so wichtig?

Losgelassene Pferde fühlen sich wohler und lassen den Reiter besser sitzen. Sie hören besser zu, lernen schneller und können damit gefördert werden. Ein Pferd, das nicht losgelassen ist, verschließt den Geist und verspannt den Körper. Damit ermüdet es nicht nur schneller und braucht mehr Energie im Training – der Bewegungsapparat kann nicht korrekt arbeiten, im Worst Case kommt es zu Fehlbelastungen und Verschleißerscheinungen zum Beispiel in den Gelenken, Lahmheiten und Rückenprobleme können entstehen. Schmerzt der Körper des Pferdes, wirkt sich das auch auf seine Konzentration und Motivation aus. So entsteht ein Teufelskreis. Verspannte Pferde müssen deswegen zunächst wieder entspannt werden.

Fehlende Losgelassenheit? Ursachen erkennen

Die erste Ursache für mangelnde Losgelassenheit ist nicht per se beim Pferd zu suchen, sondern bei uns Menschen. Wir sind verantwortlich für unsere Trainingseinheiten mit dem Pferd und stecken den Rahmen ab.

  • Hat unser Pferd Probleme, sich auf uns und das Training einzulassen, sollten wir uns zunächst fragen, was wir besser machen können: Sind wir mental im Gleichgewicht und präsent im Moment, oder arbeiten wir multitaskend schon die Aufgaben im Kopf ab, die uns Zuhause erwarten? Sind wir verspannt von der Arbeit und stehen wir unter Stress? Unser Pferd spürt das.
  • Wie gelingt unsere Zusammenarbeit? Klappt die Kommunikation oder häufen sich Missverständnisse?
  • Hat das Pferd Schmerzen? Rücken und Beine stehen schnell im Fokus, wenn das Pferd nicht ganz rund läuft. Wir sollten aber auch das Kiefergelenk und die Zähne nicht vergessen. Probleme hier wirken sich auf den gesamten Bewegungsapparat aus, da der Pferdekörper ein zusammenhängendes System ist.Passen der Sattel und die Ausrüstung wie Trense oder Kappzaum?
  • Fühlt sich das Pferd mit den Haltungsbedingungen wohl? Kann es seine Bedürfnisse zum Beispiel nach Bewegung, Futter und Sozialkontakt nachkommen oder muss es etwas kompensieren bzw. befindet es sich im Dauerstress?

Mit diesem Fokus gelingt es dir, die Ursachen für eine fehlende Losgelassenheit im Pferd zu finden. Und damit kannst du dich daran machen, dem Pferd zu helfen.

 
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