Das Training sinnvoll aufbauen – darauf solltest du achten

Abwechslung im täglichen Training ist für Körper und Geist wichtig.

Mia und ihr Hannoveraner Tivio reiten täglich Dressur, nur an einem Tag in der Woche wird pausiert. Aber irgendwie stellen sich die Erfolge nicht so recht ein. Der rahmige Wallach hat immer noch Löcher hinter den Schulterblättern und auch die Kruppe will nicht so recht rund werden.

Wir Menschen sind die persönlichen Fitnesstrainer unserer Pferde. Wer reiten will, braucht ein gesundes, tragfähiges Pferd. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns auch im sinnvollen Trainingsaufbau auskennen. Denn viel hilft nicht per se viel, im Gegenteil. Übertraining kann genauso schaden wie Untertraining – körperlich und mental. Es ist also nicht die reine Quantität, die gutes Training ausmacht, sondern vor allem auch die Qualität.

Wie können wir das Training unseres Pferdes sinnvoll aufbauen?

1. Einen Plan haben

Wer beim Reiten immer nur vor sich hin wurschtelt und beliebig Lektionen aneinander reiht, der wird kein Fortkommen sehen. Weil er kein klares Ziel hat und deswegen auch nicht messen kann, ob er Fortschritte gemacht hat oder nicht. Deswegen ist es sinnvoll, sich vor jeder Einheit einen Plan oder ein Ziel zu setzen – natürlich immer passend zum aktuellen Ausbildungsstand von Pferd und Reiter. Wer ein Ziel hat, reitet viel fokussierter. Es spricht auch nichts dagegen, klein anzufangen und dann allmählich zu steigern. Ein Trainingstagebuch kann hier eine gute Idee sein, um die Fortschritte zu dokumentieren. Es bietet sich auch an, immer mal wieder Fotos zu machen oder Videos zu drehen. Wer das in regelmäßigen Abständen tut, wird die Entwicklung seines Pferdes gut nachvollziehen können und kann dann Rückschlüsse auf sein Training ziehen und es bei Bedarf anpassen und verbessern.

2. Die Einheiten sinnvoll strukturieren

Wir können unsere Trainingseinheit im Kleinen wie im Großen strukturieren. Zum einen gilt natürlich, dass wir nicht aufsteigen und direkt mit schweren Lektionen einsteigen. Die Arbeit beginnt erst nach einer Aufwärm- und Lösungsphase und eine Entspannungs- bzw. Abkühlphase beendet die Einheit. Gerade, wenn es kalt ist, das Pferd aus der Box kommt oder es an Vorerkrankungen leidet, ist eine lange Schrittphase wichtig, damit es sich aufwärmen und den Körper vorbereiten kann. Außerdem hilft ein systematischer Aufbau der Lektionen dem Pferd: Die Basis sind solide gerittene Grundlagen. Nur, wenn die sitzen, kann die Schwierigkeit erhöht werden. Klappt es nicht, geht es zurück an die Basics. So stellen wir sicher, dass wir das Pferd nicht überfordern und es genug Kraft, Balance und Koordination aufgebaut hat, um unsere steigenden Anforderungen auch erfüllen zu können.

3. Qualität statt Quantität

Gutes Training formt das Pferd – schlechtes leider auch. Deswegen sollten wir eine möglichst gute Qualität der Lektionen anstreben, das bedeutet korrektes Reiten. Hingeschluderte Lektionen wie ein überbogenes Schulterherein oder ein Zirkel mit verworfenem Genick haben keinen gymnastischen Wert. Damit die Bewegung das Pferd gesund erhält, muss sie richtig ausgeführt werden. Lieber langsam und Schritt für Schritt die Übung in kleinen Teilen erarbeiten und zusammensetzen, statt sie schnell und falsch immer wieder zu wiederholen. Das Pferd lernt sonst falsche Bewegungsabläufe – schon hat man einen Korrekturfall. Zudem steigt damit das Risiko für Überlastung, Verschleiß und Verletzungen. Richtiges Training verbessert dagegen Beweglichkeit und Balance, baut Muskeln auf und hilft dem Pferd, Defizite auszugleichen.

4. Pause und Abwechslung bitte

Gutes Training setzt verschiedene Reize und macht vor allem Pausen. Erst in den regenerativen Phasen werden Muskeln aufgebaut – der Körper reagiert dann und repariert und stärkt Muskeln und Gewebe, die durch das Training beansprucht wurden. Eine gute Einheit zeichnet sich deswegen durch ein Wechselspiel aus: Der Anspannung folgt immer wieder die Entspannung, der versammelnden Lektion ein lockeres Vorwärtstraben. So kann das Pferd sich wieder ausruhen und Kraft sammeln, das ist für alte wie für junge Pferde wichtig. Doch auch mit Blick auf das Ganze sind Pausen wichtig: Also nicht jeden Tag stur Dressur, sondern Abwechslung. Ein Ritt ins Gelände, ein Tag mit ruhigem Longieren oder ein Koppeltag. All das stellt unterschiedliche Anforderungen an den Pferdekörper, so dass wir nicht Gefahr laufen, einseitig oder übermäßig zu trainieren. An einem Tag trainieren wir zum Beispiel Kraft, am anderen Ausdauer.

5. Die Bedürfnisse unseres Pferdes berücksichtigen

Auch, wenn wir noch so viele Vorstellungen, Wünsche und Ideen haben: Reiten ist ein Teamsport. Wir müssen auch immer die Bedürfnisse unseres Pferdes berücksichtigen. Nicht jedes ist für die Dressur geboren und nicht jedes kann sich bei der gemütlichen Runde in den Wald entspannen. Träge Pferde brauchen gute Motivationsstrategien – wer dauertreibt, verliert. Flotte Pferde brauche Routine und Stabilität – wer nur an den Zügeln zieht, verliert. Und natürlich spielen körperliche Wehwehchen eine Rolle oder sogar das Wetter. Denn um 15 Uhr bei 30 Grad in der prallen Sonne Lektionen drillen, macht weder Mensch noch Pferd Freude.

 
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