Wie kann ich ein träges Pferd motivieren?

Der Weg vom Energiesparmodus zum motivierten Kameraden

Ist dein Vierbeiner oftmals phlegmatisch und es gestaltet sich schwierig ihn zur Mitarbeit zu motivieren? Wir haben uns Gedanken gemacht, welche Ursachen sich dahinter verbergen können und ein paar Anregungen für Euch, wie man auch einem Faulpelz die Arbeit schmackhaft machen kann. Das Motivieren kann die Verbindung zu Deinem Pferd pflegen und festigen.

Das passende Pferd

Jedes Pferd ist individuell und hat seinen eigenen Charakter. Nicht jedes Pferd ist von Natur aus temperamentvoll und lauffreudig. Einige Vierbeiner ruhen einfach in sich und sind gerne etwas gemütlicher unterwegs. Suche dir bestenfalls immer einen Vierbeiner aus, der zu dir und deinen Interessen passt. So sind träge Pferde z.B. sehr gut für ängstliche Reiter/innen geeignet, aber auch ideale Kinder- oder Therapiepferde und können Ruhe und Sicherheit vermitteln. Schlägt dein Herz eher für Pferde mit viel Temperament, wirst du langfristig mit einem „Energiesparmodell“ nicht glücklich werden, denn ein von Natur aus träges Pferd kann man nicht einfach „umkrempeln“. Hast du dich für ein Pferd entschieden, solltest du es auch so nehmen, wie es ist. Motivation ist das angesagt.

Ursachenforschung

Hat dein Pferd sonst immer freudig mitgearbeitet und ist auf einmal nur noch lustlos? Dann solltest du das nicht auf die leichte Schulter nehmen und unbedingt Ursachenforschung betreiben. Leider verbergen sich oft gesundheitliche Probleme hinter einer plötzlich auftauenden Trägheit. Ein Pferd was Blockaden oder Schmerzen hat, wird sich verständlicherweise nicht gerne bewegen. Auch übergewichtige Pferde sind meistens antriebslos und nur schwer zu motivieren. Jedoch zeigt nicht jedes Pferd, wenn es sich unwohl fühlt. Beobachte deinen Vierbeiner also stets ganz genau und nimm negative Veränderungen immer ernst.

Das Pferd als Spiegel

Pferde spiegeln den Menschen gnadenlos. Überprüfe deine eigene Energie und Körperhaltung, wenn du mit deinem Pferd arbeitest. Die eigene Tagesform und dein Gemütszustand werden sich immer im Umgang mit dem Pferd bemerkbar machen. Wenn du dich schlapp und ausgelaugt fühlst, wird es dir schwer fallen genug Energie aufzubringen, um ein träges Pferd zu motivieren. Sei an solchen Tagen einfach ehrlich mit dir selbst und fair zu deinem Pferd. Nutze die gemeinsame Zeit zum Entspannen und lass einfach bei einem gemeinsamen Ausritt oder einem Spaziergang die Seele baumeln, anstatt zu große Erwartungen an dein Pferd zu stellen.

Das passende Training

Um ein „Energiespar- Modell“ zur Arbeit zu motivieren, bedarf es durchaus etwas Geschick. Versuche deinem Pferd immer das Gefühl zu geben, dass das Training nicht anstrengend für es wird. Gestalte die Reprisen kurz und knackig und lobe sofort, wenn es zackig reagiert. Mache genügend Pausen und erhöhe deine Ansprüche nur sehr langsam. Mit Lob solltest du nie sparen, denn es eignet sich bestens, um den Vierbeiner zu motivieren. Gib ihm sofort eine Rückmeldung, wenn er etwas gut gemacht hat. Pferde wollen grundsätzlich dem Menschen gefallen und alles richtig machen. Viele Pferde reagieren nur so träge, weil die Verständigung vom Reiter unklar ist oder sie durch eine unpassende Hilfengebung abgestumpft sind.

Vertrauen und Körpersprache – so klappt auch die Freiarbeit

Die richtige Hilfengebung

Nutze eine klar gestaffelte Hilfengebung, um dich mit deinem Pferd zu verständigen. Starte mit einem Stimmkommando, atme bewusst ein und fahre deine eigene Energie hoch. Erst wenn es nicht darauf reagiert, solltest du die treibenden Hilfen einsetzen. Achte beim Reiten darauf, dass 70% aus deinem Sitz kommen sollte. Deine Schenkelhilfen sollten mit 20% und die Zügelhilfen mit 10% nur Assistenten sein. Ist das Pferd träge, beginnen die meisten Reiter/innen aus dem Becken vorwärts- rückwärts zu schieben. Leider passt diese Bewegung aber nicht in die natürliche Schrittbewegung des Pferdes, man bewirkt damit genau das Gegenteil und es wird immer langsamer werden. Nimmt man im Schritt die Füße aus den Steigbügeln, lässt die Beine locker hängen und sich vom Pferd bewegen, wird man eher eine Links- Rechts- Bewegung erfühlen. Gut passt die Idee, von einer liegenden Acht die dein Becken beschreibt.

Impulse geben

Viele Reiter/innen versuchen ihr Pferd mit einem ständig klopfenden Schenkel vorwärts zu treiben. Dieser Plan wird jedoch nicht aufgehen, denn es wird mit der Zeit immer mehr abstumpfen und gar nicht mehr darauf reagieren. Auch ein zäher, quetschender Schenkel wirkt nicht beschleunigend auf den Vierbeiner. Wird der Unterschenkel zu weit hinten am Bauch eingesetzt, werden die meisten Pferde immer langsamer oder fangen sogar an zu klemmen. Das Gleiche gilt für einen falschen Sporeneinsatz. Stattdessen sollte man das sogenannte „Tretroller- Prinzip“ nutzen: Man holt Anschwung, dann rollt man und holt erst wieder Anschwung, wenn man es braucht und langsamer wird. Das bedeutet in Bezug auf das Reiten, es wird ein kurzer Impuls gegeben, das Pferd bewegt sich und man gibt den nächsten Impuls erst dann, wenn es nötig ist bzw. der Vierbeiner das Tempo nicht hält. Ziel sollte es sein die Hilfen immer wieder aussetzen zu können.

Das richtige Loben

Finde heraus, welche Art von Lob dein Pferd am liebsten mag. Die meisten Pferde sind sehr empfänglich für das Loben mit der Stimme. Hilfreich kann es sein einen Zwischenlob und einen Endlob zu nutzen. Der Zwischenlob, kann z.B. „Fein“ sein und sollte von der Tonlage her eher hoch und motivierend sein. Es gibt dem Pferd die Rückmeldung, dass es alles richtig macht, aber es bitte weiter machen soll. Der Endlob wiederum (z.B. „Brav“), sollte mit abgesenkter Tonlage gegeben werden und signalisiert dem Pferd, dass die Übung beendet ist. Natürlich kannst du dein Pferd auch mit Leckerlies belohnen. Achte aber darauf, dass du nicht zum „Futterautomaten“ wirst und setzte es immer gezielt ein. Jedoch ist nicht jedes Pferd für Leckerlies zu begeistern. Manche genießen es viel mehr, wenn man sie streichelt und krault. Gerade träge Pferde freuen sich auch über eine Pause als Belohnung. Mache die Pause dann am Besten im Halten. Wenn du dein Pferd weiter im Schritt bewegen möchtest, darf es sich in dem Tempo bewegen, was im gefällt. Hier ist also auch ein „Bummelgang“ erlaubt. Treibst du es in der Pause weiterhin immerzu an, wird es dies nicht als Belohnung empfinden.

Nicht nur mit Leckerlies motivieren - So wirst Du schnell zum Futterautomaten

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Spaß muss sein

Um ein träges Pferd zu motivieren, solltest du Dinge finden, die ihm Spaß machen. Das können z.B. die Freiarbeit, die Arbeit an der Hand, aber auch Zirkuslektionen sein. Auch Trail Hindernisse aus der Working Equitation, die Arbeit mit der Garrocha sind optimale Hilfsmittel, um die Mitarbeit deines Vierbeiners zu fördern. Auch die Vorbereitung auf die Freiarbeit mit einer Halsringlonge kann Dein Pferd motivieren. Schnell wird er die gestellten Aufgaben verstehen, mehr Ehrgeiz entwickeln und freudiger mitarbeiten. Eine weitere Möglichkeit ist es, das Training ins Gelände zu verlegen. Die meisten Pferde sind im Gelände viel wacher unterwegs. Auch den Herdentrieb kannst du nutzen, denn viele Pferde laufen gerne in der Gruppe, lassen sich „mitziehen“ und sind dann deutlich flotter unterwegs.

Und nun viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Fotos: Stefanie Blochwitz
Pixabay.com

 
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