Hillbury Basics – Übergänge richtig reiten: Warum und wie?

Harmonische Übergänge schulen das Gleichgewicht des Pferdes

Im heutigen Teil unserer Grundlagenreihe zum Reiten geht es um ein Kernstück der Reiterei, die Übergänge. Sie sind möglich innerhalb einer Gangart als Tempounterschiede, von einer Gangart zur nächsten oder, indem man eine Gangart überspringt, etwa vom Trab zum Halt oder vom Schritt in den Galopp.
Übergänge reiten erfüllt eine ganze Reihe von Zwecken: Sie schulen die Balance und das Gleichgewicht des Pferdes, sie versammeln oder bereiten die Versammlung vor. Übergänge aktivieren die Hinterhand und halten das Pferd aufmerksam. Dabei werden Selbsthaltung und Geraderichtung gefördert, auch die Anlehnung profitiert. Sogar die Qualität und der Ausdruck von Gangbild und Bewegung kann durch Übergänge verbessert werden.

Übergänge lockern zudem und sprechen verschiedene Muskelgruppen an. Gerade die Wechsel von Trab und Galopp sind zum Beispiel sehr effektiv. Mit jedem Wechsel werden andere Muskeln aktiv und die Rückentätigkeit verändert sich. Damit wird sich die Durchlässigkeit des Pferdes verbessern, es wird geschmeidiger und bleibt gesund. Schritt-Halt-Übergänge verbessern die Nachgiebigkeit im Genick, Übergänge zum Halt verbessern die Versammlungsbereitschaft und Trab-Schritt-Übergänge können helfen, die Anlehnung zu verbessern.

Übergänge: Die mentale Komponente

Übergänge haben neben den diversen körperlichen Benefits auch eine wichtige mentale Komponente, die Versammlung erst möglich macht. Versammlung ist die mentale und körperliche Bereitschaft eines Pferdes, auf die Hilfen des Reiters sofort zu reagieren – unabhängig davon, was er anfragt. Das Pferd muss also bereit und in der Lage sein, sofort anzuhalten, aber auch sofort anzugaloppieren. Um diese gegensätzlichen Möglichkeiten leisten zu können, setzt es seinen Körper so ein, wie wir das gerne hätten. Es wird rund, setzt sich mehr für eine bessere Balance und kommt ins Gleichgewicht.

Übergänge sind das Tool, um diese Bereitschaft und Vorbereitung des Pferdes zu erreichen. Deswegen ist es auch nicht damit getan, ein paar wenige zu reiten. Erst viele verschiedene Wechsel und Anfragen bringen das Pferd dazu, aufzupassen und sich so vorzubereiten, dass es alle Anfragen ausführen kann.

Übergänge als Prüfstein der Reiterei

Voraussetzung für die positive Wirkung der Übergänge ist, dass sie korrekt geritten werden. Reiter und Pferd müssen im Gleichgewicht, Rhythmus und im Fluss bleiben, die Übergänge mühelos und mit wenig Hilfen gelingen. Idealerweise weiß der Reiter sogar schon vor dem Übergang beim Einleiten, dass er gelingen wird.

Übergänge, die nicht klappen, legen dagegen schnell Defizite offen und zeigen

Verbesserungspotenzial
Wenn das Pferd schief wird, sich heraushebelt und den Rücken wegdrückt, beginnt eiliger zu laufen oder auf die Vorhand fällt. Auch das Einrollen oder Anzackeln sind gängige Probleme, ebenso das Auslaufen in eine langsamere Gangart.
Übergänge sind ein sehr guter Prüfstein für das Zusammenwirken der Hilfen: Gewichtshilfen, Schenkel- und Zügelhilfen, treibende wie verhaltende, spielen zusammen und sorgen für geschmeidige Wechsel. In der klassischen Reiterei erfolgt das in Form von halben Paraden. Dabei werden die Hilfen kurz nacheinander gegeben, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist.

Übergänge – so gelingen sie

Wichtig ist immer beim Reiten von Übergängen: Atmen, sich Zeit lassen und die Wechsel nicht zu plötzlich fordern. Sonst können sie nur schief gehen. Außerdem ist es wichtig, locker zu bleiben – nur ein bewegliches Becken kann sich leicht an die neuen Gangarten anpassen und das Pferd dabei unterstützen.

  • Übergänge in die nächst höhere Gangart gelingen, wenn wir nicht einfach versuchen, das Pferd mit unseren Hilfen voranzutreiben, sondern ein genaues Bild vor Augen haben, was wir wollen und vor allem die Gangart schon im Körper fühlen. Wir schicken dem Pferd Energie, indem wir unseren Körper in Richtung vorwärts und aufwärts öffnen. Ein Impuls mit den Schenkeln und ein Nachgeben der Zügel unterstützt – dabei dürfen wir den Kontakt zu den Zügeln aber nicht einfach wegwerfen, schließlich soll die Anlehnung bewahrt werden.
  • Das Parieren nach unten können wir einleiten, indem wir unseren Körper schon im Rhythmus der neuen Gangart bewegen. Folgt das Pferd unserer Körperspannung, kann eine unsichtbare Kommunikation entstehen. Wir nehmen die Zügel etwas auf – treiben aber kurz danach weiter, damit das Pferd nicht einfach ausläuft. Ein Tipp: Es ist hilfreich an den Beginn der neuen Gangart zu denken und nicht an das Ende der alten – also eher an „vorwärts im Trab“ statt „raus aus dem Galopp“.
  • Die Hilfen für Übergänge innerhalb einer Gangart sind die gleichen wie für den Wechsel für eine Gangart nach oben oder nach unten. Wir schicken mehr Energie oder nehmen sie etwas zurück. Dabei werden die Hilfen etwas moderater gegeben und schneller eingestellt, damit das Pferd eben nicht zu viel macht und die Gangart wechselt.

Wichtig für gute, gesunderhaltende und gymnastizierende Übergänge ist das richtige Tempo. Übergänge werden vorbereitet und dann aktiv geritten. Fehlendes Vorwärts macht es schwer, Takt und Rhythmus beizubehalten.
Außerdem ist es sinnvoll, mit Biegungen zu experimentieren und Abwechslung ins Training zu bringen. Gerade auf Volten stehen die Pferde in der Regel bereits gut an den Hilfen, was die Feinabstimmung der Übergänge super vorbereitet und erleichtern kann.

Übungsideen für leichte Übergänge

Zügelmaß und Kopf-Hals-Position variieren
Der Wechsel zwischen Dehnungshaltung und angenommenen Zügeln, während Takt und Tempo gleich bleiben, bereitet das Pferd vor und gymnastiziert. Diese Übung hilft auch, einen festen Rücken lockerer zu machen und stabilisiert die Anlehnung.

Zirkel und Seitengänge
Auf dem Zirkel und in den Seitengängen wie Schulterherein oder Travers muss das Pferd mehr Last mit dem inneren Hinterbein aufnehmen – das unterstützt die Qualität von Übergängen. Zirkel verkleinern und vergrößern sowie der Wechsel von Schulterherein und Kruppeherein machen das Pferd rundherum geschmeidig, da äußeres und inneres Hinterbein abwechselnd aktiv werden müssen.

Schaukeln
Dabei wechseln sich Halt, Rückwärts und Vorwärts im Schritt ab. Das Pferd wird eine präzise Anzahl von Schritten rückwärts gerichtet und daraus eine präzise Anzahl von Schritten angeritten. Wer kein Halten dazwischen schaltet, macht die Übung noch schwieriger. Sie verbessert die Aufmerksamkeit und sorgt für eine aktive Hinterhand und Hankenbeugung.

 
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