Freiarbeit – Motivation und Abwechslung für Pferd und Mensch

Freiheitsdressur – sich auf Augenhöhe begegnen

Die unsichtbare Verbindung: Freiheitsdressur und Freiarbeit – viele Reiterinnen träumen von der unsichtbaren Verbindung zwischen ihnen und ihrem Pferd. Die feine Kommunikation beruht auf Gesten und auf Körpersprache, Mensch und Pferd bewegen sich als Einheit und die Hilfen werden nahezu unsichtbar.

Freiarbeit und Freiheitsdressur sind nicht das gleiche:
Freiarbeit beschreibt eher eine Art Spiel zwischen Pferd und Mensch. Hier stehen in erster Linie Kommunikation, Beziehung und die Verbindung im Fokus. Es gibt keine wirklichen Lektionen und das Pferd kann sich auch abwenden oder gehen, wenn es die Lust verliert. Gemeinsames, synchrones Gehen, freies Zirkeln oder freies Springen sind typische Elemente einer Freiarbeit.
Bei der Freiheitsdressur werden dagegen bestimmte Lektionen abgerufen – so genau und präzise wie möglich. So können ganze Choreografien entstehen. Gerade in Shows sind Freiheitsdressuren sehr beliebt. Sie erfordern von Mensch und Pferd Konzentration und Aufmerksamkeit. Das Pferd muss den Menschen genau beobachten, aufmerksam sein und auch mit Abstand und ohne Hilfsmittel noch an den Hilfen stehen.

Warum sollte man Freiarbeit und Freiheitsdressur mit seinem Pferd machen?

Gute Gründe für die freie Arbeit mit dem Pferd gibt es viele: Sie verbessert natürlich die Kommunikation. Gerade der Mensch lernt super viel über seine Körpersprache und darüber, wie die Hilfen bei seinem Pferd ankommen. Dadurch, dass man zurückgeworfen wird auf seinen Körper, seine Stimme und die Gerte als Hilfsmittel, lernt man, Hilfen präziser und feiner zu geben. Außerdem verbessert sich unser Timing: Wenn wir zu schnell zu viel wollen, wird sich das Pferd mit großer Sicherheit von uns abwenden, weil der Druck zu groß geworden ist. So verfeinern wir die Kommunikation und beginnen, auf die kleinsten Signale des Pferdes zu achten. Wir lernen, es besser zu lesen und zu verstehen.
Außerdem lernen wir viel über uns selbst: Wie geduldig sind wir? Wie gut können wir unsere Energie kontrollieren? Können wir uns hochfahren, genauso gut aber still und ruhig werden? All das sind Eigenschaften, die uns die Freiarbeit mit dem Pferd erleichtern.

Freiarbeit und Freiheitsdressur sind natürlich auch angenehme Abwechslungen im Pferdealltag vom Reiten. Sie fordern das Pferd auf andere Weise – denn gerade die Freiheitsdressur eignet sich perfekt, um das Pferd zu gymnastizieren und zwar ohne Reitergewicht. Die Perspektive von unten erlaubt auch ganz andere Einblicke: Gerade für Menschen, die sehr visuell geprägt sind, kann es sehr hilfreich sein, das Pferd so aus einer anderen Sicht heraus wahrzunehmen. Durch den Wechsel des Blickwinkels ergeben sich auch Lösungen für Probleme, die man bis dahin nicht gefunden hat.

Freiarbeit vorbereiten und beginnen

Auch, wenn das Ziel spektakuläre Lektionen wie das Steigen, der spanische Schritt oder sogar eine Choreografie in der Freiheitsdressur sind, empfiehlt es sich, klein anzufangen mit den Basics der Freiarbeit. Hier legen wir das Fundament für die Kommunikation und knüpfen das unsichtbare Band mit unserem Pferd.

Die Voraussetzung dafür, Seil oder Longe abzunehmen und das Pferd frei zu lassen ist, es am losen Seil arbeiten zu können. Das bedeutet, dass wir keinen Zug oder Druck brauchen, um es bei uns zu halten. Läuft das Pferd also am durchhängenden Seil an unserer Schulter mit – im Schritt, Trab und Galopp, können wir Lektionen wie ein Schulterherein über unsere Körperposition abfragen, dann ist die Zeit gekommen, das Seil abzumachen.

Wichtig ist nun, die Hilfen genauso wie vorher auch zu geben.

Für viele Pferde macht das fehlende Seil dann keinen Unterschied, sie bleiben beim Menschen. Als Zwischenschritt und Sicherheitsnetz zwischen ganz frei und am Seil bietet sich auch ein Halsring an. Wir können hineingreifen, um dem Pferd mehr Klarheit zu verschaffen. Als Vorbereitung für die Freiarbeit sind auch leichtere Seile hilfreich, die die Einwirkung weiter minimieren.

Ein weiterer wichtiger Schritt für gelingende Freiarbeit ist die Balance von Drive and Draw: Damit können wir unser Pferd von uns wegschicken und weichen lassen, ohne die Verbindung zu verlieren. Über unsere Körpersprache ziehen wir es wieder an. Damit können wir auch auf die Entfernung klar kommunizieren, was wir uns vom Pferd wünschen.

Gelingen die Basics wie gemeinsames Gehen und Stehen bleiben, das Weichen lassen und wieder Herziehen frei, dann kann man die ersten Schritte in Richtung der komplexeren Freiheitsdressur gehen.

Dazu gehören die Klassiker, Zirkuslektionen wie Kompliment oder Ablegen, aber auch Dressurlektionen der hohen Schule wie Piaffe und Passage. Abwechslung bieten auch Tricks wie das Drehen oder Beine kreuzen synchron mit dem Menschen. Auch hier bietet es sich an, die Übungen zunächst am Seil oder mit dem Halsring vorzubereiten.

Einen guten Trainer zur Hilfe nehmen

Ein Profi-Tipp lautet dabei übrigens: Abwechslung. Wenn wir die Übungen und Lektionen immer neu kombinieren, erhalten wird die Neugierde des Pferdes und damit seine Aufmerksamkeit.

Apropos Profi: So beeindruckend die Freiheitsdressur ist, manche Lektionen wie den spanischen Schritt oder das Steigen sollte man nicht allen Pferden beibringen. Sie sind Teil des Imponiergehabes unter Pferden und müssen deswegen unter Signalkontrolle bleiben. Das heißt wir müssen in der Lage sein, das Verhalten abzurufen, aber auch unterbinden zu können. Deswegen ist es hier wichtig, mit einem erfahrenen Trainer zusammenzuarbeiten, damit die Freiheitsdressur Mensch und Pferd lange Freude bereitet.

 
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