Pferde und Hitze: So gelingen Training und Abkühlung

Abkühlung für Pferde

Die Sonne brennt vom Himmel, die Grillen zirpen und kein Lüftchen regt sich. So kennen wir die heißen Sommertage.

Doch was bedeutet das eigentlich für unsere Pferde?

Pferde haben im Vergleich zum Menschen eine höhere Muskelmasse und eine geringere Körperoberfläche, um die erzeugte Wärme wieder abzugeben. Deswegen überhitzen sie deutlich schneller als wir. Nur etwa ein Drittel des produzierten Schweißes kann einen abkühlenden Effekt über die Verdunstung erreichen. Bei starker Belastung staut sich die Hitze im Körper und das Pferd schwitzt stark. Es atmet auch schwerer.

Ein paar Zahlen:
– Die Wohlfühltemperatur von Pferden liegt zwischen 5 und 15 Grad.
– Bei Hitze trinken Pferde bis zu 80 Liter Wasser pro Tag.
– Sie verlieren bis zu 30 Liter Schweiß.

Wie gut ein Pferd Hitze verträgt, hängt auch von seinem Alter, dem Gesundheitszustand und der Rasse ab. Kranken und schwachen Pferden oder solchen mit langsamem Stoffwechsel oder Übergewicht macht die Hitze stärker zu schaffen. Auch schwerere Rassen und Robustrassen aus dem Norden vertragen sie schlechter. Manche Pferde sind als Individuen auch einfach hitzeempfindlicher als andere.

Training bei Hitze? Ja, aber in Maßen

Auch wenn dir die Hitze nichts ausmachen sollte: Reite dein Pferd nicht in der prallen Mittagssonne. Besser ist es, das Training in die kühlen Morgenstunden oder auf den Abend zu verlegen, wenn die Sonne nicht mehr brennt. Außerdem sind folgende Tipps hilfreich:

  • Biete deinem Pferd vor dem Reiten Wasser an.
  • Reite im Schatten: Vielleicht habt ihr eine gut gelüftete Halle oder einen Platz mit dichtem Baumbestand am Rand? Noch besser ist ein Ausritt in den Wald. Wenig geht über echten, kühlen Baumschatten und oft geht hier eine leise Brise.
  • Natürlich solltest du dein Training auch an die Temperaturen anpassen: Geht viel Schritt, spart euch lange Galopptouren und macht regelmäßig Pausen. Auch die Zeit der Einheiten solltest du verkürzen. Im Worst-Case kann bereits 20 Minuten Training an heißen Tagen die Körpertemperatur des Pferdes zu stark steigen lassen.
  • Wenn du die Chance hast, dann reite zu einem See oder einem Bach. Damit hast du im Training schon eine tolle Möglichkeit, dein Pferd abzukühlen. Außerdem bringt die Abwechslung Spaß und viele Pferde erfreuen sich am Wasser.

Abkühlen des Pferdes: die Wellness-Dusche

Nach dem Training die Dusche: Ist dein Pferd nicht wasserscheu, wird es sie wahrscheinlich sehr genießen. Du hilft ihm damit, Schweiß und Staub aus dem Fell zu waschen, kühlst es und erfrischst es. Die Haut juckt weniger und ist auch nicht mehr ganz so attraktiv für nervige Fliegen und andere Insekten.

Darauf solltest du bei der Pferdedusche achten:

– Dusche nicht sofort nach dem Training. Gib deinem Pferd mindestens 10 Minuten Zeit um bereits      etwas herunterzukühlen und warte, bis sich die Atmung wieder normalisiert hat.
– Idealerweise ist das Wasser lauwarm, kühl ist aber auch ok.
– Verwende auf keinen Fall eiskaltes Wasser. Dein Pferd kann dadurch Kreislaufprobleme bekommen und die Muskeln verkrampfen sich, statt zu entspannen.
– Stelle den Strahl wenn möglich weich ein.
– Gehe in dieser Reihenfolge vor: von unten nach oben und von hinten nach vorn. Du startest also mit den Hinterbeinen – sinkt die Temperatur der Beine, beginnt bereits der restliche Körper abzukühlen. Herz- und Brustbereich kommen also erst sehr spät an die Reihe.
– Spare die Nierenpartie aus. Sie ist besonders stark durchblutet – kühlt sie aus, kann das zu Schmerzen führen.
– Die Kälte des Wassers sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße erst einmal zusammen ziehen. Weil das Blut dann schneller fließt, wird der Ablagerung von Schadstoffen vorgebeugt. Der Körper weitet die Gefäße dann wieder, um den Temperaturverlust auszugleichen. Damit wird die Durchblutung angeregt.
– Die Beine kannst du mindestens 10 Minuten lang abspritzen. Kühlst du nur kurz, wird das Bein schnell wieder warm. Ein Erholungseffekt tritt erst nach längerer Zeit ein.
– Lass dein Pferd nicht in der Sonne trocknen und stelle es auch nicht in den Zug.

Schweißmesser – ja oder nein?

In den meisten Ställen hängt am Waschplatz ein Schweißmesser, um das überschüssige Wasser nach dem Abspritzen aus dem Fell zu ziehen. Damit soll der Kühleffekt durch die Verdunstungskälte optimiert werden. Es ist auch gang und gäbe, das Pferd nach dem Abziehen wieder zu duschen, und erneut abzuziehen, um es weiter abzukühlen.

Das Equine Science Society Symposium 2021 kam allerdings zu anderen Erkenntnissen. Ein Team der australischen Universität in Maryland untersuchte drei Methoden des Abkühlens an fünf Pferden. Demnach sank die Körpertemperatur nur durch das Abspritzen. Sobald das überschüssige Wasser mit dem Schweißmesser entfernt wurde, steig sie wieder an. Die Empfehlung der Forscher lautet deswegen: Das Pferd immer wieder abspritzen und das Wasser im Fell belassen.

 
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