Träge Pferde motivieren

Nicht jedes Pferd ist von Natur aus lauffreudig

Während Lusitano Pequeno fröhlich die lange Seite entlang passagiert, hat Lea auf ihrem jungen Warmblut Tristan alle Hände voll zu tun, es überhaupt in Gang zu halten. Wir alle kennen sie – die triebigen Pferde, die keinen Schritt von alleine machen. Der Mensch muss Motivation für zwei mitbringen, was auf Dauer natürlich frustrierend ist.

Faule Pferde munter machen: Wie das geht, erläutern wir in diesem Beitrag.

Die Ursache finden

Zunächst geht es an die Ursachenforschung. Triebigkeit, fehlende Lauffreude und nicht vorhandener Leistungswille können körperliche Ursachen haben. Und zwar diverse. Das beginnt bei Muskelkater, geht über Rückenschmerzen bis hin zu einer beginnenden Arthrose oder dem längst überfälligen Zahnarzt-Termin. Viele dieser Probleme können auch auf eine nicht ausreichende (oder übermäßige) Fütterung oder eine suboptimale Haltung zurückgehen. Je mehr das Pferd in seiner Freizeit Pferd sein darf, Sinnesreizen ausgesetzt ist, sich mit Artgenossen bewegen kann, desto leistungswilliger und ausgeglichener wird es sich im Training mit dem Menschen zeigen.

Über- oder unterfordert?

Manchmal liegt der Mangel an Motivation auch an uns selbst: Nicht nur, weil das Pferd unsere eigene Einstellung spiegeln kann, sondern, weil unser gemeinsames Sportprogramm nicht wirklich zu unserem Pferd passt. Wir können es über- oder unterfordern – und manchmal langweilen wir es auch.

Außerdem sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass Pferde als Fluchttiere von Natur aus eher Energiesparer sind. Gerade bei Rassen aus kalten Ursprungsländern, ist das häufiger zu beobachten. Und natürlich gibt es auch einfach die ruhigeren Charaktere, die lieber zu wenig als zu viel laufen und per se weniger Bewegungsfreude mitbringen als andere, heißblütigere Temperamente.

Klar kommunizieren – konsequente Hilfen

Um ein faules Pferd in Gang zu bekommen, brauchen wir eine glasklare Kommunikation. Die Hilfen müssen gleich bleiben und einer konsequenten Abfolge folgen. Wichtig ist, dass wir auch beim trägen Pferd immer mit einer feinen Hilfe beginnen. Es wäre unfair, ihm erst gar nicht die Chance zu geben, auf wenig zu reagieren. Erst, wenn das Pferd nicht reagiert, steigern wird die Intensität der Hilfen. Hier zahlt sich Konsequenz und Durchhaltevermögen aus. Sobald das Pferd reagiert – und ja, es reicht eine kleine Tendenz, müssen wir die Hilfen aussetzen. Tun wir das nicht, verpassen wir nicht nur die Chance, dem Pferd eindeutig zu zeigen, dass es etwas richtig gemacht hat. Wir laufen auch Gefahr, in einen Kreislauf der Dauerhilfen zu geraten, um das Pferd auch ja am Laufen zu halten. Im Ergebnis stumpfen wir es damit nur noch mehr ab.

Pause und Lob nicht vergessen

Pause und das Aussetzen der Hilfen sind für träge Pferde eine willkommene Abwechslung. Lernt es, dass es eine Pause bekommt, wenn es unseren Anfragen nachkommt, wird es uns williger folgen und aufhören, sich die Pause selbst zu nehmen. Etwa, indem es in die nächstlangsamere Gangart ausfällt oder immer zäher am Bein wird. Wenn wir also etwas vom Pferd wollen, müssen wir im Gegenzug auch etwas dafür anbieten. Entspannung und natürlich Lob sind super wichtig für wenig gehfreudige Pferde – und nicht nur am Anfang oder Ende der Reiteinheit, sondern gerade dazwischen in einer höheren Frequenz.

Spannende, individuelle angepasste Trainingseinheiten

Unser Training sollte sowohl die körperliche, als auch die mentale Seite abdecken.

Das bedeutet zum einen, dass wir das Pferd nicht überfordern. Eine gute Lösungsphase bereitet es optimal auf die Einheit vor, macht die Muskeln locker und geschmeidig – und in einem vorbereiteten Körper trainiert es sich natürlich leichter und motivierter. Wichtig ist dann, die Grenzen und Belastbarkeit des Pferdes nicht zu überschreiten: Ein schmerzender Körper veranlasst niemanden zu Höchstleistungen.

Neben dem physischen Teil sollten wir auch den psychischen Aspekt guten Trainings berücksichtigen. Immer wiederkehrende Routinen können für manche Pferde eine große Hilfe sein – andere dagegen schalten dann ihr Hirn aus. Deswegen ist es wichtig, ein individuelles Programm aufzusetzen, das das Pferd stimuliert und zum Mitdenken anregt. Wenn der Arbeitsverweigerer auf einmal die Ohren spitzt, sobald Stangen aufgebaut werden, liegt die Lösung auf der Hand: Beim nächsten Longentraining einfach mal mit Cavaletti, Gasse und Co arbeiten. Es muss also nicht immer kompliziert sein.

Generell gilt für das Training mit triebigen Pferden:

  1. Wir müssen Verantwortung abgeben und den Wunsch unterdrücken, unserem Pferd mit Dauerhilfen ständig zu sagen, was es machen soll. Bevormundung und Mikromanagement töten Eigeninitiative im Keim. Stattdessen sollten wir unser Pferd mitentscheiden lassen und seine Ideen fördern.
  2. Wir müssen unsere Ansprüche herunterschrauben. Wer von einem faulen Tier gleich eine gesamte Longiereinheit am Kappzaum in perfekter Stellung und Biegung erwartet, überfordert es körperlich und frustriert es mental. Kleine Schritte führen zum Ziel.
  3. Je mehr Sinn wir unseren Trainingseinheiten geben können, desto besser. Die Arbeit am Rind ist zum Beispiel ein riesen Motivator fürs Pferd, da es versteht, wofür es die Trockenübungen aus der Dressur verwenden kann. Jetzt haben die wenigsten Reiter Rinderherden zur Verfügung. Ausreiten gehen und das Training mit optischen Markern sind dann Alternativen. Das Pferd kann somit den Anfang und das Ende einer Einheit verstehen oder eine gewisse Lektion mit dem Hütchen oder der Stange auf dem Boden verbinden und sie leichter und interessierter ausführen.

Du siehst, gemütliche Pferde motivieren hat nicht nur etwas mit starken Hilfen und Durchsetzungsvermögen zu tun, sondern vor allem mit Psychologie. Mit diesen Tipps kannst Du Eure Zusammenarbeit für Dein Pferd spannender und anregender gestalten.

 
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