So gelingt der Einstieg in die Working Equitation – Teil 1: Ursprung und Grundvoraussetzungen

Hillbury Partnerin Andrea Blochwitz und ihr Welsh Cob Wallach „Arvalon Mardi Grass“ haben die Working Equitation für sich entdeckt

Ohne Frage- Die Working Equitation liegt voll im Trend. Doch was genau steckt hinter dieser relativ neuen und sehr beliebten Disziplin? Welchen Ursprung hat“ das Worken“ überhaupt und ist es für jeden Freizeitreiter und jedes Pferd geeignet?

Andrea Blochwitz ist lizensierte Trainerin B für klassisch- barocke Reiterei. Sie legt besonderen Wert auf eine vielseitige Pferdeausbildung und einen fairen Umgang mit dem Vierbeiner. Auch sie hat die Vorteile der Working Equitation für sich entdeckt und sich einen eigenen Trail Parcours gebaut. Gemeinsam mit anderen erfahrenen Trainerinnen bietet sie Unterricht und Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Die Hillbury Partnerin gibt Tipps, wie der Einstieg problemlos gelingen kann und was man dabei beachten sollte.

Ursprung der Working Equitation

Die Working Equitation entstand in den 1990er Jahren mit dem Hintergrund die Arbeitsreitweisen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Jedoch geht es nicht nur darum ein Stück Kulturgut des jeweiligen Landes zu pflegen, sondern auch sich im Wettbewerb zu messen. Hierbei soll vor allem die Geschicklichkeit und Rittigkeit des Pferdes unter Beweis gestellt werden. Die WED e.V. ist unter der Schirmherrschaft der FN für das offizielle Regelwerk der Working Equitation zuständig. Hier findet man alle wichtigen Regeln und Hinweise zur Durchführung von Turnieren, aber auch zur Ausrüstung des Pferdes und der Bekleidung des Reiters.

Die vier Einzeldisziplinen

Jeder Working Equitation Wettbewerb besteht, je nach Klasse und Ausschreibung, aus bis zu vier Einzeldisziplinen: Der Dressur, dem Stiltrail, dem Speedtrail und der Rinderarbeit. Es gibt unterschiedliche Klassen: von der Führzügelklasse, über WE-E, WE-A, WE-L, WE-M bis hin zur sogenannten Masterclass der WE-S.

Dressur als Grundvoraussetzung

Die Dressur dient in der Working Equitation nicht nur dem Selbstzweck, sondern ist die Grundvoraussetzung, um Trailhindernisse oder die Arbeit am Rind erfolgreich bewältigen zu können. Ziel ist ein gehorsames und durchlässiges Pferd, das fein an den Hilfen steht und vor allem auf Impulse aus dem Sitz und dem Schenkel reagiert. In den unteren Klassen unterscheiden sich die Anforderungen in den Dressurprüfungen kaum zu „normalen“ FN- Dressuraufgaben. In den höheren Klassen liegen die Schwerpunkte mehr auf der Galopparbeit, da diese Gangart für ein Arbeitspferd elementar ist. Trablektionen werden zwar gezeigt, hier liegt der Fokus aber eher auf der Versammlung, Traversalen und Schulterherein. Zunächst wird noch beidhändig geritten, Ziel ist aber stets die einhändige Führung auf Kandare.

Trail – in hübsch oder auf Zeit

Bei den Traildisziplinen müssen Pferd und Reiter einen Parcours aus unterschiedlichen Trailhindernissen absolvieren. Diese Hindernisse sind, im Gegensatz zu einer Gelassenheitsprüfung, mehr oder weniger der Arbeit auf dem Feld nachempfunden, wie z.B. das Öffnen und Schließen eines Tores, das Überqueren einer Brücke oder der Sprung über ein Hindernis. Beim Stiltrail kommt es, wie der Name schon sagt, drauf an, nicht irgendwie durch diesen Parcours zu kommen, sondern „in hübsch“. Wichtig sind vor allem saubere Übergänge und eine schöne Linienführung, ruhiges und geschlossenes Stehen, sowie ein flüssiges Rückwärtsrichten. Jedes Trailhindernis wird auf dem Turnier mit einer Note von 1 bis 10 bewertet. Ein sehr faires System, denn sollte ein Hindernis mal nicht gelingen, hat man immer noch die Chance beim Nächsten die volle Punktzahl zu erreichen. Beim Speedtrail wiederum kommt es auf die Zeit an. Für Fehler gibt es Zeitstrafen und umgeworfene Hindernisse müssen vom Reiter selbst wieder aufgestellt werden. Auch wenn der Speedtrail sehr publikumswirksam ist, sollte trotzdem auf stilvolles Reiten geachtet werden.

Das Trailhindernis „Der Stier“ fordert viel Geschick vom Reiter und ein gut an den Hilfen stehendes, gehorsames Pferd

Rinderarbeit

Bei der Rinderarbeit geht es darum ein bestimmtes Rind aus einer Herde zu separieren. Hier ist vor allem Reaktionsfähigkeit von Pferd und Reiter gefordert, denn oftmals muss in Sekundenschnelle entschieden werden, ob ein Seitengang, eine halbe Pirouette oder ein Rückwärts hilfreich sein kann. Außerdem braucht man für die Rinderarbeit ein unerschrockenes Pferd, was vorweg schon genug Erfahrung gesammelt haben muss. Für nationale Prüfungen müssen alle Pferd- Reiter- Paare die Teilnahme an einem vorbereitenden Rinderkurs vorweisen. Die Rinderarbeit kann auf dem Turnier ab Klasse L ausgeschrieben werden. Die Durchführung hängt meistens von der Organisation und Unterbringung einer geeigneten Rinderherde ab.

Working für Jedermann

Auch für Freizeitreiter ohne Turnierambitionen ist „das Worken“ auf jeden Fall empfehlenswert. Besonders der Stiltrail, bei dem es auf eine saubere Linienführung und ein fein auf die Hilfen reagierendes Pferd ankommt, ist eine perfekte Überprüfung der Rittigkeit und Durchlässigkeit. Mit Hilfe der Working Equitation kannst du außerdem Abwechslung in den Trainingsalltag bringen. Auch das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter wird gestärkt, denn viele Aufgaben, die man sich sonst noch gar nicht zugetraut hätte, gelingen mit Hilfe von Trail Hindernissen deutlich leichter. Ängstliche Pferde werden mutiger und unsichere Pferde bekommen mehr Ruhe und Sicherheit. Für mich ist die Working Equitation außerdem ein gutes Beispiel für „angewandtes Reiten“. Versteht das Pferd den Sinn hinter den einzelnen Aufgaben, beginnt es in der Regel selbstständig und motiviert mitzuarbeiten. Nebenbei ist Spaß auf beiden Seiten garantiert!

Grundvoraussetzung

Für das Worken ist es auf keinen Fall zwingend nötig, ein iberisches Pferd zu besitzen. Auch mit jeder anderen Pferde- oder Ponyrasse ist die Working Equitation möglich. Viele Pferde und Ponys wachsen geradezu über sich hinaus und zeigen großartige Leistungen, die man ihnen gar nicht zugetraut hätte. Einige Grundvoraussetzungen sollte aber jedes Pferd für die Working Equitation mitbringen: Es sollte sicher an den Hilfen stehen und gut gymnastiziert sein. Außerdem sollte es das Halten, Rückwärtsrichten, eine Vorhand- und Hinterhandwendung und idealerweise auch das Schenkelweichen sicher beherrschen. Eine gewisse Wendig- und Geschicklichkeit, sowie ein gutes Nervenkostüm und Arbeitswille können ein großer Vorteil sein.

Ausrüstung und Bekleidung

Wenn man an einem Working Equitation Turnier teilnehmen möchte, gibt es feste Regelungen für die Ausrüstung des Pferdes und die Bekleidung des Reiters. Im Training bzw. wenn ich als Freizeitreiter einfach nur die Vorteile der Trailarbeit nutzen möchte, würde ich nicht gleich einhändig auf blanker Kandare starten, sondern eine Ausrüstung für das Pferd wählen, die es kennt und mit der es sich wohl fühlt. Working ist durchaus auch gebisslos oder mit Halsring möglich. Der Reiter sollte bei seiner Bekleidung vor allem auf Sicherheit und Zweckmäßigkeit bedacht sein. Ein Helm sollte im Training stets ein Muss sein!

Hilfe suchen

Wenn du noch gar keine Vorkenntnisse in der Working Equitation hast, würde ich dir empfehlen, dass du dir Unterstützung suchst. Inzwischen bieten viele Trainer Unterricht oder Kurse an. Es ist immer besser unter professioneller Anleitung zu starten, bevor man mit Selbstversuchen das Pferd verunsichert. Ein erfahrener Ausbilder wird immer Tipps und Ideen haben, wenn mal etwas nicht gelingt und so verhindern, dass es zu Schwierigkeiten kommt.

Working Equitation Trail Hindernisse, wie hier die Brücke, stärken das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter und können ängstliche Pferde mutiger machen

Trailhindernisse selbst bauen

Viele Trailhindernisse kann man ganz einfach selbst nachbauen. Pylonen oder Steckstangen (aus dem Fussballtraining) kann man wunderbar für den einfachen Slalom und Parallelslalom nutzen. Hat man keine Tonnen für die Zweier- oder Dreiertonnen zur Verfügung, eignen sich hier auch Pylonen oder andere stabile Gegenstände wie z.B. Strohballen. Mit Hilfe von Holz- oder Kunststoffstangen kann man eine Glockengasse oder den Sidepass bauen. Um die Stangen zu erhöhen sind die beliebten Pipitöpfchen einer schwedischen Möbelfirma hervorragend geeignet. Zwei Hindernisständer und ein Seil können ganz leicht zu einem Tor umfunktioniert werden. Auch für das Becherumsetzen kann man zwei Hindernisständer oder Steckstangen, sowie eine Pylone verwenden. Beim Bau einer Brücke sind Europaletten, Terrassenbohlen oder schwere Holzbalken gut geeignet. Achtung: Eine Brücke muss auf jeden Fall stabil und trittfest sein! Sie darf auf keinen Fall eine Verletzungsgefahr für dein Pferd verbergen. Als Alternative zur Brücke kann man auch prima eine Plane nutzen.

In Teil 2 zum Einstieg in die Working Equitation zeige ich dir welche Trailhindernisse besonders gut für Beginner geeignet sind, wie du sie korrekt reitest und was man dabei beachten sollte.

Also: „Let´s go working!“

 

Fotos von Stefanie Blochwitz (stefanieblochwitzfotografie.ch)

 
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