Den Pferderücken stärken

 

Auch Ramiro macht regelmäßig Muskeltraining

Mit einem vielseitigen Programm zu einem tragfähigen Rücken.
Quarter Horse Sam ist zwar harmonisch proportioniert, hat aber einen langen, schwachen Rücken. Der Tierarzt hat deswegen Muskelaufbau angeordnet...

 

Ein vielseitiges Programm lässt keine Langeweile aufkommen. Die Kombination aus Bodenarbeit am Kappzaum und Reiten steht deshalb auf dem Wochenplan.

Wichtig zu wissen: Es ist nicht der lange Rückenmuskel auf beiden Seiten der Wirbelsäule, der den Reiter trägt. Er ist ein reiner Bewegungsmuskel, kein Haltemuskel. Wer den Rücken seines Pferdes stärken will, trainiert den langen Rückenmuskel in erster Linie, damit er den Körper stabilisieren, eine stoßdämpfende Wirkung entfalten und die Wirbelsäule schützen kann. Um den Reiter zu tragen, sind aber die Gegenspieler -die Bauchmuskeln- von großer Bedeutung. Sie heben und stützen den Rücken und kippen das Becken. So wird die Hinterhand aktiviert und nur so kann das Pferd den Rücken aufwölben und den Reiter tragen, ohne sich zu schaden.

Wir geben in diesem Beitrag Tipps für ein abwechslungsreiches Rückenaufbautraining fürs Pferd.

Ausreiten – am besten im hügeligen Gelände

Unterschiedliche Böden und unterschiedliches Gelände bieten optimale Trainingsanreize und Sinneseindrücke fürs Pferd. Im Wechsel mit verschiedenen Gangarten aktivieren sie die Tiefenmuskulatur, verbessern die Körperwahrnehmung des Pferdes und sind Krafttraining pur. Besonders, wenn das Pferd bergan und bergab geritten wird oder sogar klettern muss, arbeiten Hinterhand- und Bauchmuskeln intensiv: Bergan muss das Pferd mit der Hinterhand schieben und wölbt die Oberlinie auf, bergab tritt es weit unter den Körper und tief in den Schwerpunkt, um die Balance zu halten und wölbt die Lendenpartie: optimal für Schub- und Tragkraft. Diese Trainingsanreize kann man in der Halle oder auf dem Platz in dieser Form nicht erreichen.

Rückwärts (am Hang)

Beim korrekten Rückwärtsrichten mit diagonaler Fußfolge im Zweitakt kippt das Pferd das Becken ab, nimmt Last mit den Hinterbeinen auf, wölbt die Lendenwirbelsäule und beugt die Hanken. Damit verbessert sich die Versammlungsfähigkeit und die Hinterhand wird gestärkt. Reitet man daraus ins Vorwärts, drückt sich das Pferd mit den Hinterbeinen ab, statt sich mit den Vorderbeinen zu ziehen.

Noch besser für den Rücken – aber natürlich auch viel anstrengender – wird die Übung, wenn man sie an einen Hang verlegt. Dabei tritt das Pferd sehr weit unter. Verschiedene Anreize lassen sich mit unterschiedlicher Steigung und Richtung erzielen. Hier muss die Bauchmuskulatur des Pferdes ordentlich arbeiten. Quarter Horse Sam kann das mittlerweile richtig gut – allerdings brauchte er gerade am Anfang Zeit, mit den Füßen den Untergrund zu erspüren, um sich ruhig und balanciert bewegen zu können.

Stangen- und Cavaletti-Training

Stangen, Bodenricks und Cavaletti bringen das Pferd dazu, seine Beine stärker anzuheben, unter den Schwerpunkt zu fußen und je nach Ausrichtung auch längere Schritte zu machen: Dabei kippt das Becken ab und der Rücken wölbt sich auf. Ganz oft beginnen Pferde fast automatisch sich zu strecken und die Oberlinie zu dehnen – so können sich Verspannungen auflösen.

Stangentraining fördert also Bauchmuskeln, Hinterhand und Schultergürtel. Es ist ideal für Trab und Galopparbeit – unter dem Sattel oder an der Longe. Einen großen Trainingseffekt bringt eine Zweier- oder Dreiersprungfolge auf der Zirkellinie: Durch die Stellung und Biegung dehnt das Pferd zusätzlich die Muskeln auf der aufgespannten Seite.

Schenkelweichen und Seitengänge

Beim Schenkelweichen kreuzt das Pferd die Beine und dehnt den Kruppenmuskel. Das sorgt für ein Mehr an Beweglichkeit.

Echte Seitengänge wie Schulterherein, Travers und Traversale bewirken, dass das Pferd untertritt und Last mit dem inneren Hinterbein aufnimmt. Dieses wird dabei stärker gebeugt und die Hinterhand auf diese Weise aktiviert. Gleichzeitig dehnt das Pferd seine Außenseite, was im Wechsel die laterale Beweglichkeit verbessert und den Körper geschmeidig macht. Seitengänge sorgen durch die vermehrte Lastaufnahme auch für ein Anheben der Schulter und damit für Schulterfreiheit und eine Stärkung des Schultergürtels. Das Pferd gewinnt an Tragkraft und kann gerade gerichtet werden.

Wichtig bei allen Seitengängen: die Bewegung wird gleichmäßig und flüssig, ohne Hast ausgeführt.

Galopparbeit

Der Galopp bietet ein Rundumtraining für die gesamte Muskulatur und gehört deswegen unbedingt in jedes Rückenfit-Programm für Pferde. Die Sprungbewegung sorgt dafür, dass die Bauchmuskulatur rhythmisch an- und abspannt und den Rücken hebt.

Übergänge

Übergänge sind das A und O für Durchlässigkeit und Losgelassenheit und deswegen ideal, um die Muskulatur zu kräftigen. Wichtig ist dabei die korrekte Ausführung: Das Pferd nimmt Last mit der Hinterhand auf und trägt sich in die nächst höhere oder tiefere Gangart, statt auf der Vorhand zu bremsen oder sich in die neue Gangart hineinzuziehen.

Beim Parieren in ein langsameres Tempo tritt das Pferd unter, nimmt Last auf und wölbt den Rücken auf. Beim Übergang in ein höheres Tempo drückt es sich mit der Hinterhand ab.

Gerade der Übergang von Trab zu Galopp ist ein echter Rücken-Mucki-Booster: Er löst das Pferd, da die Muskeln unterschiedlich beansprucht werden. Außerdem werden Bauch- und Kruppenmuskeln trainiert.

Einfache Übergänge erfolgen zwischen Schritt und Trab sowie Trab und Galopp. Auch das Verkürzen der Tritte oder das Zulegen innerhalb einer Gangart hat eine solche Wirkung. Übergänge, die eine Gangart überspringen, wie Trab – Halt oder Galopp – Schritt haben eine versammelnde Wirkung und verbessern das Gleichgewicht. Je höher die Anforderung, desto stärker der Trainingseffekt.

Rückenmuskeltraining muss also nicht dröge für Pferd und Reiter ausfallen, sondern kann abwechslungsreich gestaltet werden, so dass beide Freude daran haben. Unterm Sattel oder an der Longe – mit unseren Tipps wird dein Pferd fit.

 
{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

Nächster Pferde-Artikel >>

Vorheriger Pferde-Artikel >>