Einstieg in die ersten Zirkuslektionen – Teil 2

Im letzten Blogeintrag hat Andrea Blochwitz, Trainerin B für klassisch- barocke Reiterei und Hillbury Partnerin, dir einige Empfehlungen gegeben, was du im Vorfeld beachten solltest, wenn du deinem Pferd Zirkuslektionen beibringen möchtest.

Hier kommt die Fortsetzung mit Tipps aus der Praxis, wie dein Pferd möglichst leicht das Kompliment, das Hinlegen, den Spanischen Gruß, die Polka und den Spanischen Schritt erlernen kann.

Kompliment  – Schaukelpferdposition

Du kannst das Kompliment zunächst mit Stallhalfter oder Kappzaum üben. Den Strick oder das Führseil solltest du ab machen, damit dieser nicht ungewollt runterfällt und das Pferd darauf tritt. Später kann das Pferd auch mit Trense oder Sidepull gezäumt sein. Hierbei solltest du aus Sicherheitsgründen einen Knoten in die Zügel machen, damit diese nicht am Hals runterrutschen, wenn das Pferd den Kopf tiefer nimmt. Stelle dein Pferd dann in die Bahnmitte und versuche, dass es sich möglichst „schaukelpferdähnlich“ hinstellt. Also die Vorderbeine möglichst weit nach vorne heraus und die Hinterbeine möglichst weit nach hinten heraus. Nimm dir hierfür auf jeden Fall genug Zeit und Geduld, denn diese Position erleichtert es deinem Pferd erheblich ins Kompliment zu kommen.

 

Fahrtrichtung, Kommando und Touchieren

Damit dein Pferd von Beginn an lernt Kompliment und Hufeauskratzen gut zu unterscheiden, stelle dich für das Kompliment immer auf Schulterhöhe in „Fahrtrichtung“, also mit Blick nach vorne. Dann überlegst du dir ein Stimmkommando. Bei mir ist es „Kompliment“. Leite von Anfang an die Lektion mit diesem Kommando ein, auch wenn es in der Anfangszeit für das Pferd noch keine große Bedeutung hat. Mit der Zeit wird es die Stimmhilfe mit der Übung verknüpfen, so dass es irgendwann als Einleitung reicht.

Ähnlich solltest du es mit dem Touchieren mit der Gerte handhaben. Der Touchierpunkt sollte die Vorderseite des Röhrbeins sein. Auch wenn du zunächst noch keine Reaktion auf die Berührung mit der Gerte bekommst, übe es von Beginn an mit. So wird dein Pferd irgendwann die Berührung mit der Gerte mit der Übung verbinden. Wenn das Pferd anfangs das Bein noch nicht mit Hilfe des Touchierens anhebt, kannst du mit der Hand nachhelfen. Fasse beherzt am Röhrbein zu und achte darauf, ob dein Pferd auf drei Beinen ruhig stehen bleibt und sich gut ausbalancieren kann. Es sollte das angehobene Bein nicht wegziehen und entspannt bleiben.

Futter vs. Fußlonge

Ich erarbeite das Kompliment immer mit Futter und nicht mit der Fußlonge. Ich finde den Einsatz der Fußlonge zu gefährlich, außerdem bräuchtest du dann immer eine zweite Person zur Hilfe. Ich möchte mein Pferd nicht mit der Fußlonge ins Kompliment zwingen, sondern es spielerisch erarbeiten. Hierbei kann der Einsatz von Futter sehr hilfreich sein. Wenn du auf der linken Seite deines Pferdes stehst, halte das Bein mit der rechten Hand und das Leckerli in der linken Hand.

Anstatt eines Leckerlies kannst du auch einen anderen Leckerbissen wählen, besonders längere Möhren haben sich hier bewährt, so geraten deine Finger im Eifer des Gefechts nicht so schnell in Gefahr. Nun kannst du mittig zwischen den Vorderbeinen Richtung Boden locken. Die meisten Pferde verstehen schnell, dass sie sich auch auf drei Beinen noch korrigieren können, um leichter Bodenkontakt zu erreichen. Auch die Verlagerung des Gewichts nach hinten muss dein Pferd nach und nach für sich entdecken. Wenn dein Pferd etwas geschickt ist und keine Angst vor dem Bodenkontakt hat, wirst du schnell sein Bein am Boden ablegen können und ihm das Leckerli vor der Brust anreichen können.

Kein Kopfstand

Versuche von Beginn an zu vermeiden, dass dein Pferd mit dem Kopf zwischen den Vorderbeinen abtaucht und sich auf der Stirn oder dem Nasenrücken abstützt und Kopfstand macht. Das wäre nicht gerade ungefährlich für dein Pferd. Der Kopf sollte auf jeden Fall oben und vorne bleiben und dort sollte dein Pferd auch das Leckerli bekommen.

Lobe jeden Versuch deines Pferdes und alles was in die richtige Richtung geht. Zunächst wird dein Pferd wahrscheinlich noch nicht lange in dieser Position bleiben. Nach und nach wird es sich aber besser ausbalancieren können und du kannst die Zeit am Boden etwas verlängern. Kurz vor dem Aufstehen kannst du das Stimmkommando „Auf“ mit einbauen. Die Belohnung erhält dein Pferd dann im nächsten Schritt erst, wenn es wieder steht.

So geht´s weiter

Wenn das Kompliment auf der einen Seite gut klappt übe auf jeden Fall auch die andere Seite. Diese kann dir Aufgrund deiner Händigkeit und dem Pferd durch die natürliche Schiefe durchaus schwerer fallen. Außerdem kannst du im weiteren Verlauf deine Hand durch den Gertenknauf ersetzen. Mit der Zeit wird deinem Pferd nur noch das Stimmkommando und das Antippen mit der Gerte reichen und es wird selbstständig ohne Unterstützung von dir ins Kompliment gehen.

Hinlegen

Das Hinlegen ist für ein Pferd als Fluchttier eine große Herausforderung und ein riesiger Vertrauensbeweis. Nicht jedes Pferd hat dieses Vertrauen und Interesse an dieser Übung, dass sollte man akzeptieren. Es gibt zwei Möglichkeiten deinem Pferd das Hinlegen beizubringen: Entweder es lernt erst das Kompliment, dann das Knien und sich draus abzulegen. Oder du entwickelst es aus dem Wälzen. Voraussetzung hierfür ist, dass dein Pferd sich gerne, z.B. nach getaner Arbeit, wälzt.

Versuche zunächst möglichst dicht an deinem Pferd dran zu bleiben, wenn es Anstalten macht sich wälzen zu wollen. In diesem Moment kannst du auch gleich das Stimmkommando z.B. „Hinlegen“ etablieren und mit der Gerte auf den Boden tippen. Wenn dein Pferd sich abgelegt hat, kannst du versuchen dich deinem Pferd anzunähern.

Dies sollte möglichst von vorne geschehen, damit es dich sieht. Außerdem kannst du dich etwas kleiner machen und solltest ruhige Bewegungen machen. Wenn es liegen bleibt und wartet, kannst du es mit Futter belohnen, kraueln und streicheln. So kannst du zunächst das Wälzen herauszögern. Dein Pferd wird mit der Zeit lernen sich hinzulegen, auf einen Leckerbissen zu warten und das Wälzen verliert nach und nach an Bedeutung.

Wenn es dir vertraut, kannst du dich auch seitlich oder ganz auf seinen Rücken setzen. Wenn du merkst, dass es aufstehen möchte, trete rechtzeitig zur Seite. Nach und nach wird dein Pferd das Hinlegen mit dem Stimmkommando und dem Gertenzeichen verknüpfen. Das Aufstehen kannst du mit dem Kommando „Auf“ verbinden. Wenn es vor dem Aufstehen seine Vorderbeine nach vorne nimmt und so kurz verharrt, belohne auch dies, denn daraus kannst du später vielleicht ein Sitzen entwickeln.

Spanischer Gruß

Der Spanische Gruß ist eine gute Vorübung für den Spanischen Schritt. Hierbei soll dein Pferd ein Vorderbein Anheben und Hochhalten. Ich stehe beim Spanischen Gruß, wie auch später bei der Polka und dem Spanischen Schritt, immer neben dem Pferd in Bewegungsrichtung auf Schulterhöhe. Man sieht oft, dass der Reiter direkt vor dem Pferd steht und sich dem Pferd zuwendet.

Meiner Ansicht nach, ist es für ein wohlerzogenes Pferd völlig unlogisch im Imponiergehabe auf seinen Menschen zugehen, während dieser rückwärts weicht. Ich finde es nicht verwunderlich, dass in solchen Situationen viele Pferde eine Hemmschwelle haben, weil sie ihren Menschen nicht verletzten möchten. Wenn du auf der linken Seite deines Pferdes stehst, halte die Zügel bzw. den Führstrick mit der rechten Hand und die Gerte in der linken Hand. Stelle dein Pferd auf den ersten Hufschlag an die Bande oder den Zaun, damit es sich nicht ungewollt wegdrehen kann.

Überlege dir ein Stimmkommando was auch in Zukunft diese Lektion einleiten und begleiten wird. Dann touchierst du einen Punkt zwischen Buggelenk und Vordergelenk. Teste einfach aus, an welchem Punkt dein Pferd am besten reagiert, denn das ist ganz unterschiedlich. Die Reaktion kann zunächst auch nur ein kleines Zucken oder leichtes Kratzen sein. Falls dein Pferd nur leicht oder gar nicht reagiert, verstärke das Touchieren nicht, sei eher hartnäckig wie ein lästiges Insekt.

Lobe jede Bewegung, die in die richtige Richtung geht, mit der Stimme, Streicheln oder auch Futter. Falls dein Pferd gar nicht reagiert, kannst du auch das Vorderbein mit der Hand hochnehmen und es dann loben. Mit etwas Geduld, wird dein Pferd dies mit dem Touchieren mit der Gerte verknüpfen.

Polka

Nachdem du mit deinem Pferd den Spanische Gruß mit beiden Vorderbeinen erarbeitet hast, kannst du mit der Polka weitermachen. Diese eignet sich perfekt um das Beineanheben in eine Schrittbewegung einzubauen. Hierbei soll dein Pferd die Vorderbeine abwechselnd alle drei Schritte anheben. Die Führposition und Hilfengebung bleibt gleich.

Du beginnst damit dein Pferd ein Vorderbein anheben zu lassen, daraus führst du es direkt im Schritt an. Evtl. musst du beim Anführen etwas mit der Gerte an der Hinterhand nachtreiben. Dann fängst du dein Pferd im Tempo wieder ab, bis es fast steht und forderst es nach drei Schritten auf das andere Vorderbein zu heben. Hierfür ist ein gutes Timing von dir nötig. Du solltest dein Pferd immer dann mit der Gerte unterstützen, wenn es das jeweilige Vorderbein eh anheben würde.

Vielen Reitern hilft es zunächst im richtigen Rhythmus mitzuzählen. Die meisten Pferde hingeben verstehen das Prinzip sehr schnell und beginnen sich anzupassen. Gebe dich zunächst mit wenigen gelungenen Schritten zufrieden. Mit der Zeit kannst du die Strecke verlängern.

Spanischer Schritt

Wenn die Polka gut und flüssig klappt, ist es Zeit für den Spanischen Schritt, also das abwechselnde Anheben jedes Vorderbeins. Wie der Name schon sagt handelt es sich hierbei um eine Schrittbewegung, das heißt dein Pferd soll aktiv mit den Hinterbeinen mitschreiten. Außerdem soll es dabei eine schöne und stolze Haltung einnehmen, den Rücken aufwölben, den Hals runden und sich im Genick tragen. Der Spanische Schritt sieht nicht nur imposant aus, dein Pferd lernt auch gezielt die Schultern anzuheben und bekommt mehr Balance und Körpergefühl.

Spanischer Schritt ist Energieübertragung, achte dementsprechend auch auf deine eigne Haltung und Energie. Zu Beginn ist es gar nicht so wichtig wie hoch dein Pferd die Vorderbeine anhebt, das entwickelt sich meistens mit der Zeit von alleine. Jedes Pferd hat seine eigene Art den Spanischen Schritt auszuführen, oftmals spiegelt sich hier die jeweilige Pferdepersönlichkeit.

Die meisten Pferde haben ein „Lieblingsbein“, welches sie besonders hoch anheben. Du kannst dein Pferd aber bei seinem „schlechteren Bein“ unterstützen und es motivieren. Auch der Gerteneinsatz spielt bei der Höhe der Aufführung eine wichtige Rolle. Mit der Zeit sollte das Zeigen mit der Gerte reichen und dein Pferd mit seinem Vorderbein zur Gerte hintreten. Dafür wedelst du mit der Gertenspitze relativ hoch auf Brusthöhe und ziehst die Gerte nach vorne weg, wenn dein Pferd richtig reagiert.

Achte beim Spanischen Schritt immer auf genug Abstand zu deinem Pferd, damit es dich nicht aus Versehen tritt. Hierfür kannst du deinen Arm, mit dem du das Pferd führst, als „Abstandshalter“ nutzen. Außerdem sollte dein Pferd mit der Zeit lernen den Spanischen Schritt nicht unaufgefordert zu zeigen. Falls das doch einmal der Fall ist, ignoriere das ungewünschte Verhalten und gib deinem Pferd eine neue Aufgabe.

Und nun viel Spaß beim Üben!

Fotos von Stefanie Blochwitz (stefanieblochwitzfotografie.ch)
und Elena Hofstede (tierfotografie-eh.de)

 
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